Sa. Nov 26th, 2022

Veröffentlicht 25. März 2022.
Aktualisiert am 25. März 2022 | 19:00 Uhr

Mit meiner journalistischen Beobachtung einer Sitzung des NDR-Rundfunkrates wurde mir mit dem heutigen Tag bekannt, dass ARD-ZDF ausdrücklich die Staatsnähe bei einem Projekt über angebliche Medienkompetenz sucht. Im Tagesordnungspunkt 11 wurde das Portal über die angebliche Medienkompetenz und NDR im Dialog „Einfach.Medien“ vorgestellt. Man brüstete sich in dem vielleicht 30 Minuten lang diskutierten Punkt mit engsten Kontakten zu Landesregierungen im Norden und mit Kontakten zu Schulen und den meist verbeamteten Lehrern. Dabei hieß es: “Es ist so, dass bereits Kontakt zu über 5.000 Lehrenden in Norddeutschland besteht. Wir haben ein Netzwerk, ein Newsletter-Format, wo wir Kontakt unmittelbar haben… Wir suchen den direkten Kontakt zu Lehrerinnen und Lehrern in Norddeutschland… Wir wollen das echte Gespräch auf Augenhöhe, um so die Akzeptanz zu steigern.”  Man spreche gezielt Lehrer staatlicher Schulen an und ermögliche dies auf der Website selbst mit sogenannten Pop-Up-Dialogen.

Aber noch erschütternder ist die Offenheit in der Zusammenarbeit mit den Ministerien und Landesregierungen, die ich bei der Online-Übertragung des NDR-Rundfunkrates erlebte. Für das angebliche “Marketing” sei es ganz wichtig, so hieß es vom nachfolgenden Redner, dass dies in die Hände von Landesschuldirektoren, also Kultusministerien käme und dass sich ganz offenbar ARD-ZDF und Regierende gegenseitig unterstützen: “Wir haben den norddeutschen Ministern bzw. Senatoren geschrieben, mit der Bitte, die Schulen und Lehrerinnen und Lehrer in Norddeutschland darauf hinzuweisen. Das haben wir schon bei Hörspielen in der Schule gemacht. Insofern gibt es da einen eingeschlagenen Pfad.” Man könne sich übrigens bewerben beim offenbar politisch-medialen Projekt “NDR im Dialog”. Die Verbreitung der Konzepte und das angebliche Marketing wurde von sich aus fast ausschließlich diskutiert über die Zusammenarbeit mit dem Staat: “Der Weg in die Schule”. Höchstens unterhält man sich punktuell mit anderen ähnlich gesinnten Medien. Man habe extra “davon abgesehen, breite Medienkampagnen” zu fahren. Eventuell für manche verwirrend: Man spreche beim Dialog-Portal ausdrücklich jüngere Teenager an und ausdrücklich nicht Erwachsene. Vielleicht löst sich dies jedoch noch auf? Womöglich aber nicht, denn man wurde ausdrücklich darauf angesprochen und nehme als eine vielleicht zukünftige Option.

In diesem Zusammenhang hieß es in einer Replik auch, man veranstalte zusammen mit der Regierung Niedersachsen Überprüfungen, wo Bürger gerade im Bereich angeblicher Medienkompentenz stünden: “Wir in Niedersachsen sind gerade dabei, mit dem Wirtschaftsministerium und dem Wissenschaftsministerium zusammen ein Digitalcampus Niedersachsen aufzubauen, mit dem Ziel, der Staatssekretär nennt es immer, acht Millionen Niedersachsen digital fit zu machen.”

Perfide: Obwohl und gerade weil ARD-ZDF hier durch seltene oder gar einmalige (?) Anwesenheit eines kritischen Journalisten die laut Staatsvertrag verbotene Staatsnähe für “alle” Teilnehmer des Rundfunkrates am 25.3.2022 offen diskutiert und anscheinend begeistert begrüßt wurde, ist die angebliche Medienkompetenz anscheinend am besten zu erreichen, wenn man vorrangig ARD-ZDF vertraut. Niemand äußerte sich kritisch. Es wirkt so, eine engste Zusammenarbeit mit Regierenden ist tatsächlich der tägliche “Pfad”.

Auch bei einem anderen Thema konnte W.I.M. die gesuchte Staatsnähe am heutigen Tag entdecken. Erstmals erlebte ich eine Rundfunkratssitzung beim NDR. Hier hörte ich gerade auch, wie man über die Art der Ukraine-Berichterstattung reflektierte. Unter anderem fiel der Hinweis, der NDR stehe “täglich mit dem BSI in Kontakt”, also dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, welches beim Bundesinnenministerium unter Nancy Faeser angesiedelt ist. Das erinnert mich an letzte Woche, als ich im Parlament Rheinland-Pfalz im Flut-Untersuchungsausschuss erfuhr ich, dass ARD-ZDF ausdrücklich mit den staatlichen Katastrophenbehörden zusammenarbeitet.

 

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