Schorndorf. WIM befragte SPD-Gemeinderat VOR Tat zu Gewalt gegen Opposition. Indymedia-Fan durfte antworten. Versehen?

Veröffentlicht 26. Februar 2021.
Aktualisiert am 1. März 2021 | 18:23 Uhr

Als ein Mob von etwa 20 hasserfüllten Schlägern in einem koordinierten und offenbar geprobten Anschlag auf den AfD-Landtagskandidaten Stephan Schwarz und AfD-Stand um etwa 9:45 am 20.2.2021 im linksextremistischen Zentrum Schorndorf zustürmten, prangte auf dem öffentlich gestellten Facebook-Profil des Schorndorfer SPD-Gemeinderatsmitgliedes Hans-Ulrich Schmid und ehemaligen Vorsitzenden der Schorndorfer SPD der Kommentar: “Von Gewalt gegen Faschisten distanzieren? Never”.

Ausdrücklich zur Distanzierung von Gewalt gegen die Opposition sprach ich das mir bekannte SPD-Gemeinderatsmitglied Schmid noch weit vor diesem Anschlag letzte Woche auf Facebook an und er hat unter anderem den Freund der Terror-Plattoform Indymedia, Rüdiger S., genau auf meine Frage zur Distanzierung von Gewalt auf seiner Facebook-Seite öffentlich kommentieren lassen: “Von Gewalt gegen Faschisten distanzieren? Never”. Dieser Kommentar war bis zur mit Waffen und mit mehreren Personen verübten schweren Körperverletzung in Schorndorf um 9:45 am 20.2.2021 öffentlich verfügbar und ist per Screenshot gesichert. Jener Rüdiger S. postete anderweitig unter anderem auch ein Bild der Plattform Indymedia, verziert mit Daumen hoch und Herzchen. Indymedia ist genau jene Plattform, die nun ein Bekennerschreiben zum Anschlag am 20.2.2021 veröffentlicht hat.

Hat das SPD-Mitglied von der Einstellung des Rüdiger S. nichts gewusst? Und war das alles ein Versehen? Ich kenne sowohl das SPD-Gemeinderat Hans-Ulrich Schmid als auch Rüdiger S. aus früheren Zeiten. Ich verlangte vom SPD-Gemeinderatsmitglied im Dezember 2019 eine Distanzierung von jeglicher Gewalt gegen Politiker oder Akteure einer Opposition. Diese bekam ich zwar, gleich danach aber ließ der ehemalige Vorsitzende der SPD Schorndorf den Freund der Terror-Plattform Indymedia die erwähnten Worte setzen, von denen sich Schmid dann auch wieder pflichtschuldig distanzierte. Gleichwohl trennt sich Schmid offenbar nicht von solchen Facebook-Freunden und gibt ihnen im wahrsten Sinne des Wortes ein Forum. Was sollte ich da noch sagen? Es ließ mich erschaudern und ich wandte mich enttäuscht ab.

Die völlig unbegründete Hoffnung darauf, dass es im Stuttgarter Raum nicht so schlimm werden würde, wie ich befürchtete, erfüllte sich natürlich nicht. Wenige Tage später gab es linksextremistische Angriffe mit Stangen und Wurfgeschossen gegen Prozessbeteiligte vor einem Arbeitsgerichtsgebäude in Stuttgart. Ein besonderer Tiefpunkt erfolgte im Mai 2020 als auf dem Weg zu einer Querdenken-Demonstration als eine Tötung gegen ein Mitglied einer neu gegründeten Automobil-Gewerkschaft mit einer Pistole offenbar durch linksextremistische Täter versucht wurde. Eine Anleitung hierfür erhalten Täter bis zum heutigen Tag auf der besagten Website Indymedia.

Den SPD-Bürgermeister Klopfer befragte ich diese Woche schriftlich bezüglich seines Partei-Kollegen Schmid. Klopfer bewarb sich 2019 als Präsident eines großen Fußballvereines mit den Worten: “Ich habe eine extrem klare Haltung gegen Rechts” (Rechtschreibfehler im Original). Er veranstaltete oder begleitete auch mehrere große Versammlungen zum Beispiel 2018 und 2019 direkt vor dem Rathaus gegen einen großen Teil des Parteienspektrums, “gegen rechts”, und eben nicht angeblich gegen Extremismus. Man fragt sich, wieso eine extrem klare Haltung gegen rechts, also gegen einen Großteil des politischen Spektrums, offenbar eine Vorbedingung für ein solches Amt sein muss. Mit der an Hooligan-Sprüche erinnernde linksextremistische Parole “Wir impfen euch alle” und die Tatsache, dass Klopfer, Schmid und Rüdiger S. sich alle öffentlich jeweils als sehr große Fans desselben Fußballvereins geben, könnte man mutmaßen, dass der Angriff etwas mit der Hooligan-Szene zu tun haben könnte. Klopfer antwortete auf meine Fragen zu seinem Partei-Kollegen im Schorndorfer Gemeinderat schablonenhaft und ohne zu zögern. Sich aber auch ausdrücklich vom Verhalten des Partei-Kollegen zu distanzieren, wollte der SPD-Bürgermeister trotz meiner nochmaligen Rückfrage partout nicht und verwies lediglich auf sein zuvor gemachtes allgemeines Statement.